Westend-Detektivinnen

Projektverantwortliche
Beauftragte für Frauen, Evangelische Johannesgemeinde, NH ProjektStadt

Projektbeginn/-ende
2008/2008

Projektziel
Mädchen lernen ihre Bedürfnisse formulieren und erhalten die Möglichkeit, eine lokale Identität zu ihrem Wohnquartier zu entwickeln und erleben "aktives Gestalten"

Projektbeschreibung
Das Projekt "Westend-Detektivinnen - Mädchen finden ihren Standort" ist speziell auf Mädchen ausgerichtet, um ihnen einen eigenen Entfaltungsraum zu geben.
Mädchen zeigen in der Regel unauffälligeres Verhalten als männliche Jugendliche. Dies hat zur Folge, dass mehr Projekte für Jungen aufgelegt und die Mädchen weniger berücksichtigt werden. Dazu kommt, dass gerade in Stadtteilen mit einem hohen Migrationsanteil viele Mädchen von ihren Familien daran gehindert werden, gemischtgeschlechtliche Angebote wahrzunehmen und dadurch in eine isolierte Situation geraten.
Im Projekt Westend-Detektivinnen untersuchten die Mädchen ihren Stadtteil und arbeiteten heraus, welche Angebote fehlen. Die Mädchen sollten im Rahmen des Projektes ihre Bedürfnisse formulieren lernen und damit die Möglichkeit erhalten, eine lokale Identität zu ihrem Wohnquartier zu entwickeln. Sie sollten die Idee des „aktiven Gestaltens“ ihres Wohngebietes entwickeln und umsetzen können.
Umsetzung: Interessierte Mädchen aus dem Stadtteil wurden durch einen Flyer und durch gezielte persönliche Ansprache am 10. April 2008 zu einem ersten Treffen in das Stadtteilzentrum eingeladen. Insgesamt 13 Mädchen im Alter von zehn bis 18 Jahren kamen zu diesem Treffen. Das Programm „Soziale Stadt“ wurde ihnen kurz vorgestellt und sie wurden ermuntert, ihre Ideen für Veränderungen im Stadtteil mithilfe einer Kartenabfrage zu formulieren.
Nachfolgende Anregungen wurden festgehalten. Nach erneuter Abstimmung bildeten sich zwei Arbeitsgruppen: (1) AG Schwimmbad, (2) AG Sportpark. Die beiden Arbeitsgruppen trafen jeweils zweimal zusammen, vor den Sommerferien fand im Jugendcafé in Neu-Isenburg ein Abschlussgrillfest mit und für die beteiligten Mädchen statt. Die Arbeitsergebnisse der beiden AGs wurden am 7. September 2008, anlässlich des Stadtteilfestes, präsentiert.

Arbeitsergebnisse AG Schwimmbad
Mithilfe eines Fragebogens und einer Felderkundung im Schwimmbad entwickelten die beteiligten Mädchen folgende Vorschläge:
- Öffnungszeiten ausschließlich für Mädchen
- ein Kiosk an einem zentralen Ort im Freibad
- bessere Pflege der Wiese
- sauberere Toiletten
- Besser gereinigte Becken
- eine Bowlingbahn
- eine Minigolfbahn
- große Wasserrutschen
- mehr Öffentlichkeitsarbeit über vorhandene Angebote
- weitere Angebote, wie z. B. Massage, Wasserspiele, nach Geschlechtern getrennte Wellnessbereiche, Konzerte/Festivals auf dem Gelände, Diskobeleuchtung im Wasser, Nachtschwimmen, sollten angeboten werden.
Insgesamt beurteilten die Mädchen das Freibad jedoch als positiv und betrachteten es als einen wichtigen Ort, an dem sie ihre Freizeit verbringen. Die Fragebogenergebnisse wurden dem zuständigen Sachbearbeiter der Betreiberin des Schwimmbades, der Stadtwerke GmbH Neu-Isenburg, überlassen.

Arbeitsergebnisse AG Sportpark
Gemeinsam mit der Arbeitsgruppenleiterin unternahmen die Mädchen eine Erkundung des Sportparks. Während der Erkundung befragten sie andere Mädchen, die den Sportpark gerade aufsuchten, machten Fotos und drehten einen kurzen Videofilm. Insgesamt kamen sie zu folgenden Schlüssen:
- Der Sportpark ist ringsum zu stark abgeschlossen durch Zäune und Hecken
- Er wird zu wenig für die Allgemeinheit zugänglich gemacht, die „schönen“ Rasenflächen bleiben den Vereinen zur Nutzung vorbehalten.
- Die Toilettenanlagen sind für Mädchen zu schlecht nutzbar.
- Die Wege sind teilweise zu dunkel und zu wenig einsehbar.
- Die Ein- und Ausgänge und die Umzäunung hindern Mädchen, aber auch Frauen im Falle von Gefahr am schnellen Verlassen des Geländes.
- Zentrale Treffpunkte für die Freizeitgestaltung von Mädchen fehlen; zu hohe „männliche“ Dominanz
- Es gibt zu wenig Möglichkeiten des Sich-Treffens im Sinne von „Sehen und Gesehen werden“
Die Mädchen waren teilweise nicht darüber informiert, dass der Sportpark frei zugänglich ist. Ebenso wie die Ergebnisse der „AG Schwimmbad“, wurden die Ergebnisse der „AG Sportpark“ an die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung weitergeleitet.
Die Ergebnisse des Projektes sind als Teil der Beteiligung in die Erarbeitung des Gestaltungsleitbildes eingeflossen.


Flyer