Koordinationsstelle Schulverweigerung

Projektverantwortliche
Förderverein Brüder-Grimm-Schule, FB Kinder & Jugend, Jugendbüro, Quartiersmanagement

Projektbeginn/-ende
2008/2010

Projektziel
Verringerung der Schulverweigerer durch Ursachenforschung und Konzeptionierung von Gegenmaßnahmen

Förderprogramm
HEGISS-Innovationen

Projektbeschreibung 
Eine Erhebung der Brüder-Grimm-Schule in Neu-Isenburg, die überwiegend von Jugendlichen aus dem Programmgebiet besucht wird, hatte ergeben, dass es eine hohe Zahl von Schulschwänzern gibt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Stadt ein Konzept beschlossen und umgesetzt.

In der Schule wird jeden Morgen konsequent durch eine Verwaltungskraft im Sekretariat , die die Stadt finanziert, erhoben, wer unentschuldigt dem Unterricht ferngeblieben ist, indem die Anwesenheitsliste der Lehrer mit den telefonischen Krankmeldungen verglichen wird. Daraufhin erfolgt unmittelbar eine erste Reaktion. Die Verwaltungskraft ruft sofort die mit den Eltern vereinbarte Telefonnummer an (Zuhause oder Eltern auf der Arbeit). So wird zunächst Zuhause überprüft, ob die Schülerin/der Schüler krank ist und ob die Eltern über das Fernbleiben vom Unterricht informiert sind. Es gilt, die Zufriedenheit mit dem Schwänzen zu unterbinden und das bequeme Einnisten in schulische Abwesenheit durch eine schnelle Reaktion und durch Zusammenarbeit mit den Eltern zu stören. Bei wiederholtem Fehlen oder bei längeren Fehlzeiten nimmt der Sozialpädagoge Erhan Dogan, der vom Förderverein der Brüder-Grimm-Schule eingestellt wurde, Kontakt zu dem Jugendlichen auf (u.U. auch zu Hause), um die Ursachen des Fehlens zu erkunden. Dieses Vorgehen wurde zwischen der Stadt Neu-Isenburg und der Schule in einem Ablaufplan zur Begegnung von Schulverweigerung vereinbart. Eventuell stellt Herr Dogan anschließend Kontakt zu geeigneten Beratungsstellen und sonstigen sozialen Einrichtungen her (Erziehungsberatungsstelle, Kinderschutzbund, Drogenberatung, Pro Familia, Jugendberufshilfe, Jugendamt, schulpsychologischen Dienst).

Herr Dogan verfügt über ein kleines Büro in der Schule, um stets über den aktuellen Stand des Schulschwänzens seiner betreuten Schülerinnen und Schüler informiert zu sein. Vormittags pflegt er den direkten Kontakt zu den Jugendlichen, er kann in seinem Büro Einzelgespräche führen und hat die Gelegenheit, unmittelbar Absprachen mit den Lehrkräften treffen zu können. Zu den häufigsten Aufgaben des Sozialpädagogen zählen Hausbesuche, Elterngespräche und individuelle Vereinbarungen mit Jugendlichen (und Eltern).

In den Nachmittagsstunden organisiert Herr Dogan ein Förderprogramm für die Schülerinnen und Schüler. Ziel ist es, die (Re)Integration in den normalen Schulunterricht zu erreichen und schließlich einen (guten) Schulabschluss, um die Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu erhöhen und zu vermitteln. Dafür – und für weitere Maßnahmen zum „sozialen Lernen“ und als Ausgangspunkt für erlebnispädagogische Angebote – stehen dem Sozialpädagogen Räume im Stadtteilzentrum zur Verfügung. Das Stadtteilzentrum befindet sich mitten im Standquartier West und beheimatet auch das Stadtteilbüro des Quartiersmanagements. Außerdem dokumentiert Herr Dogan die Gründe für das unentschuldigte Fehlen, das weitere Vorgehen mit den Schülern und die veranlassten Maßnahmen in einer Access-Datei.

Projektsachstand
Regelmäßige Angebote:

  • Hausaufgabenhilfe und schulische Förderung
    Schuljahr 07/08: jeweils dienstags/mittwochs von 14:00 bis 16:00 Uhr für die Schüler/innen der längerfristigen Betreuung
    ab Schuljahr 08/09: von montags bis donnerstags von 14:00 bis 16:00 Uhr für die Schüler/innen der längerfristigen Betreuung sowie Kinder/Jugendliche aus dem Stadtquartier West
  • Sport AG
    Donnerstags von 17:00 bis 18:30 Uhr für die Schüler/innen der längerfristigen Betreuung
  • Fußball AG
    Mittwochs von 16:30 bis 18:00 Uhr für die Schüler/innen der längerfristigen Betreuung sowie Kinder/Jugendliche aus dem Stadtquartier West
  • Kletter AG
    ab Schuljahr 2010/2011: einmal wöchentlich an der eigenen Kletterwand der Brüder-Grimm-Schule für alle „Schulverweigerer“. Nach dem ersten Halbjahr haben zwei Schüler die Prüfung zum Kletterschein erfolgreich abgelegt.

Freizeitpädagogische Aktivitäten:

Für die Schüler/innen der längerfristigen Betreuung sowie Kinder/Jugendliche aus dem Stadtquartier West wurden einige freizeitpädagogische Aktivitäten durchgeführt, um auf das Sozialverhalten Einfluss zu nehmen und die Lebensqualität im Fördergebiet zu steigern.

  • Grillabend im Stadtquartier West am 11. Mai 2008
    Teilnehmeranzahl: ca. 20
  • Phantasialand bei Köln am 18. Juli 2008
    Teilnehmeranzahl: 11
  • Fußballturnier in der Soccerhalle Langen am 27. August 2008
    Teilnehmeranzahl: 15
  • Fußballturnier in der Soccerhalle Langen am 11. Februar 2009
    Teilnehmerzahl: 14

Erlebnispädagogische Aktivitäten:

Für die Schüler/innen der längerfristigen Betreuung wurden drei erlebnispädagogische Aktivitäten durchgeführt, um ihnen die Möglichkeit der Entwicklung von Persönlichkeit und sozialer Kompetenzen zu geben.

  • Kletterwald Offenbach am 19. Mai 2008
    Teilnehmeranzahl: 4
  • Dialogmuseum Frankfurt am 12. September 2008
    Teilnehmeranzahl: 6
  • Freizeitbad „Monte Mare“  Obertshausen am 06. November 2008
    Teilnehmeranzahl: 4
  • „Schloss Freudenberg“ in Wiesbaden am 30. Januar 2009
    Teilnehmerzahl: 9
  • Indoorkart in Frankfurt am 01. Juli 2009
    Teilnehmerzahl: 7
  • „Erlebnistage“ im Vogelsberg vom 19. bis 23. Oktober 2009
    Teilnehmerzahl: 6
  • Kletterwald Langen am 10. Juni 2010
    Teilnehmerzahl: 7

Medienpädagogische Auseinandersetzung mit dem Thema Schulverweigerung:

Sieben Schüler haben an zwei Ferientagen in den Osterferien in Kooperation mit dem Medienprojektzentrum „Offener Kanal“ Offenbach/Frankfurt einen Kurzfilm mit dem Titel „(K)eine Zukunft“ zum Thema „Schulverweigerung“ gedreht, der auch im „Offenen Kanal“ gezeigt wurde. Ziel des Projektes war es, mit dem Film anderen Schülern bewusst zu machen, welche Folgen es hat, die Schule zu schwänzen.
Der Kurzfilm wurde beim Jugendengagementwettbewerb „Ist doch Ehrensache“ vom Kreis Offenbach mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.

 

Schulische Veranstaltungen:

Um das Projekt „Koordinationsstelle Schulverweigerung“ zu präsentieren und Eltern darüber zu informieren, organisierte Herr Dogan einen Informationsstand an den „Tagen der Offenen Tür“ der Brüder-Grimm-Schule.

  • Tag der offenen Tür am 15. Februar 2008
  • Tag der offenen Tür am 06. Dezember 2008
  • Tag der offenen Tür am 05. Dezember 2009

Als präventive Maßnahme zur Vorbeugung von Schulabwesenheit führte Herr Dogan einen zweischulstündigen Workshop in den Hauptschulklassen der Jahrgänge sechs und sieben durch.
In einem Stuhlkreis mit den Schüler/innen wurden die Ursachen und die daraus resultierenden Folgen für eine Schulverweigerungskarriere diskutiert und mithilfe von Thesen besprochen.

Außerschulische Veranstaltungen:

Herr Dogan hat an zwei außerschulischen Veranstaltungen im Fördergebiet Stadtquartier West teilgenommen und repräsentierte hierbei die „Koordinationsstelle Schulverweigerung“. Eines der Hauptziele dieser Veranstaltungen bestand darin, eine Verbesserung des Zusammenlebens der Bürger in der nachbarschaftlichen Gemeinschaft anzustreben.

  • Sommerfest im Stadtquartier West am 07. September 2008 und am 28. Juni 2009
    Aufgaben: Planung, Koordination, Durchführung
  • Weihnachtsfest im Stadtquartier West am 14. Dezember 2008 und am 13. Dezember 2009
    Aufgaben: Planung, Koordination, Durchführung, Bastelecke für Kinder

Kurzfälle:

Mit Kurzfällen sind Fälle gemeint, die sich mit ein bis drei Gesprächen lösen lassen und bei denen keine längerfristige Betreuung notwendig ist. Ebenso bezeichnen sie Fälle, die sich mit Einwirken der Schulleitung und Lehrer/innen auflösen. Allerdings kann es auch vorkommen, dass sich Kurzfälle nicht lösen lassen, da die Schüler/innen nicht immer ausreichend kooperieren. Dazu kommen noch Schüler/innen, die nicht im Fördergebiet wohnhaft sind und dadurch keine längerfristige Betreuung gewährleistet werden kann. Zu den häufigsten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Betreuung von Kurzfällen zählen Hausbesuche, Elterngespräche und individuelle Vereinbarungen mit Jugendlichen (und Eltern).

Längerfristige Betreuung:

Mit Jugendlichen, bei denen eine darüber hinausgehende intensive Einzelfallbetreuung notwendig ist, wird kontinuierlicher Kontakt gehalten, regelmäßige Gesprächstermine vereinbart, Hausbesuche gemacht und diese Gruppe durch Hausaufgabenhilfe und durch regelmäßige wöchentliche Sportangebote gefördert. Die Jugendlichen werden über schulische Förderung und Hausaufgabenhilfe motiviert und dabei begleitet, den versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. Die sportlichen und freizeitpädagogischen Aktivitäten sind einerseits Belohnung, andererseits aber auch Teil eines „sozialen Lernens“, in dem die Schüler/innen in einer Gruppe lernen, Regeln einzuhalten, auf andere Rücksicht zu nehmen und mit Erfolgs- und Misserfolgserlebnissen umzugehen.

Jahresbilanz 2008:

  • 46 Hausbesuche bei Schülerinnen und Schülern, bei denen unklar war, weshalb sie der Schule ferngeblieben sind
  • zwei Schülerinnen und acht Schüler im Alter von zwölf bis 17 Jahren in der längerfristigen Betreuung
  • 27 Kurzfälle, davon waren neun Schülerinnen und 18 Schüler betroffen.

Jahresbilanz 2009:

  • 14 Hausbesuche bei Schülerinnen und Schülern, bei denen unklar war, weshalb sie der Schule ferngeblieben sind.
  • fünf Schülerinnen und zehn Schüler im Alter von zwölf bis 17 Jahren in der längerfristigen Betreuung
  • 18 Kurzfälle, davon waren zehn Schülerinnen und acht Schüler betroffen.

Jahresbilanz 2010:

  • 4 Hausbesuche bei Schülerinnen und Schülern, bei denen unklar war, weshalb sie der Schule ferngeblieben sind
  • 16 Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren in der längerfristigen Betreuung, wobei es sich nur um eine Neuaufnahme handelt
  • 13 Kurzfälle, davon waren acht Schülerinnen und fünf Schüler betroffen.

Durch die Präsenz des Sozialpädagogen und der gutem Zusammenarbeit mit der Verwaltungskraft ist die Quote der unentschuldigten Fehltage in der Schule reduziert worden. Im Schuljahr 2006/2007 wurden 16 Prozent der Fehltage nicht entschuldigt, die Quote minimierte sich im Schuljahr 2009/2010 auf 11 Prozent.

Verstetigung:
Dadurch, dass sich die Angebote der „Koordinationsstelle Schulverweigerung“ und der Einsatz der Verwaltungskraft bewährt hatten, ist es im Sinne der Stadt Neu-Isenburg und der Brüder-Grimm-Schule wichtig, das Konzept beizubehalten.
Zur Verstetigung dieser Arbeit war die Stadt Neu-Isenburg bereit, Herrn Dogan als Schulsozialarbeiter und die Verwaltungskraft weiterhin zu beschäftigen, um somit weiterhin präventiv gegen Schulverweigerung vorzugehen.
Das Angebot wird für alle Schüler/innen über das Quartier hinaus ausgeweitet.